Dienstag, 19. Juni 2007

Sonnenglanz


Es ist ein Dienstag.
Gestern war in der Stadt alles auf den Beinen. Feiern. Jubeln. Richtig Party. Der neue Hoffnungsträger ist da. Er ist feierlich in die Stadt eingezogen.
Und eben dieser Publikumsliebling ist an diesem Dienstag im Tempel.
Eine Liveübertragung von dem Ereignis hätte sich wahrscheinlich so angehört:
Also schließt die Augen und stellt ich vor ich sei ein Radio.

Hallo und herzlich Willkommen zurück hier wieder im Tempelcorner!
Die mit Spannung erwartete Talkshow hier live aus dem Tempelcorner geht in die dritte Runde.
Wenn sie jetzt erst eingeschaltet haben, sie haben etwas verpasst! Heute hier zu Gast der Shootingstar der Rabbiszene, hier ist Rabbi Jesus!
Wenn sie uns gestern schon eingeschaltet hatten haben sie wahrscheinlich die Liveberichterstattung von seinem triumphalen Einzug hier in Jerusalem mitverfolgt. Die erste Frage heute aus der Ecke der Pharisäer unseren selbsternannten Alleswissern, und fabelhafte Antwort von Rabbi Jesus,
dann weiter Frage aus der linke Ecke, von einem Saduzäer, auch solche Schlaumeier, wieder eine Antwort wie ich sie mir besser nicht hätte erdenken können,
darauf Feixen bei den Pharisäern, jetzt beraten sie sich und .. ich sehe sie wollen eine Frage stellen…Jesus hört sich die Frage an..die Frage ist welches ist das Höchste Gebot von allen? .. raffinierte Frage haben wir doch in der Tora 613 Einzelgesetze davon 248 Gebote und 365 Verbote… die Menge wartet gespannt auf die Antwort ... was wird er darauf nur antworten.. er erhebt sich und spricht... liebe Zuhörer er fängt an das Shema zu rezitieren… vereinzelte Zuhörer sprechen die Worte mit … das Shema welches wir jeden Morgen und jeden Abend im Gottesdienst sprechen... jeder hätte jetzt eine neue Lehre erwartet… doch Jesus überrascht alle mit einem eindeutigen Bekenntnis zur Tradition der Auslegung der Wichtigkeit der Gebote…
Er spricht nicht das ganze Shema, er begrenzt sich auf die ersten zwei Verse... wir sollen den Herrn unseren Gott lieben von ganzem Herzen mit ganzer Seele mit ganzem Verstand… dies sei das wichtigste Gebot …
aber er spricht weiter… eins sei dem gleich… du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst… faszinierend… ähnliche Tendenzen waren in jüngster Zeit auch in der Rabbiszene zu merken… er ist der erste der es so klar und deutlich alles zusammenfasst, ich sage ihnen…

So hätte es wahrscheinlich sich angehört, hätten wir damals eine Liveberichterstattung gehört.

Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzem Verstand!
Oder in der freien Übersetzung der Volxbibel:
Liebe Gott, deinen Chef, mit allem, was du hast, mit deinem ganzen Gefühl, volle Kanne, entscheide dich dafür!

Und
'Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!'

Hier auch wieder die Volxbibel:
Liebe die Leute die mit dir leben, genauso, wie du dich auch selber lieben sollst!

Das alles war 3Tage vor seiner Kreuzigung.
Warum sagt Jesus das? Warum darf er das sagen?
3Tage vor seiner Kreuzigung.
3Tage bevor Gott seine Liebe zu uns mit ganzem Herzen mit ganzer Seele und mit ganzem Verstand beweist.
3Tage bevor er seine Liebe zu uns vollendet, wo er den eindrücklichen Beweis seiner Liebe angetreten ist.
Und genau das ist hier das faszinierende. Gott liebt uns. Er lässt seinen Sohn sich für uns opfern. Sein Sohn Jesus stirbt. Jesus schenkt uns Vergebung.
Das was Jesus hier meint ist, das wir Gott lieben sollen. Und wenn dann, dann richtig. Volle Kanne. Und was schenkt uns Jesus, damit’s uns einfacher wird Gott zu lieben? Vergebung. Vergebung für unsere Drecksachen.
Drecksachen ist das was uns zwischen Gott und den Menschen steht, das ist alles was nicht mit Gott zusammenpasst und was uns von ihm trennt. Diese Drecksachen verhindern dass ein Mensch mit Gott wirklich leben kann, weil Drecksachen und Gott einfach nicht zusammenpassen.
Jesus ist gestorben und hat uns dafür Vergebung angeboten.
Vergebung vollendet die Liebe Gottes.
3 Tage später bei seiner Kreuzigung in Luk 23:34 sagt Jesus:
"Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!"
Jesus hat selbst zu dem Zeitpunkt an dem es ihm am dreckigsten ging, die Liebe zu seinen Nächsten ausgeübt.
Was hindert uns daran in den Momenten in denen es uns dreckig geht zu lieben? Was hindert uns daran solche Liebe zu leben?
Was hindert mich wenn ich schlecht gelaunt bin, den anderen anzulächeln? Was hindert mich daran den anderen zu grüßen, wenn ich am liebsten selbst unansprechbar wäre?
Warum fällt es uns manchmal so schwer anderen Drecksachen zu vergeben?
Einmal vergeben ist ja Ok, was passiert wenn der andere das andauert macht?
Wenn ich einfach über meine Enttäuschung schweige, was mach ich dann?
Oft sagt man "nicht so schlimm", "macht nichts", "ist Ok!" und doch tun manche Dinge so weh in der Seele, dass man diese nicht von ganzem Herzen vergeben kann.
Wenn wir nicht vergeben können, schleicht sich Bitterkeit bei uns ein.
Ein schlauer Mensch hat einmal gesagt:
Bitterkeit ist wie tödlicher Trank den wir selbst zu uns nehmen und warten dass der andere davon stirbt.
Nur wenn wir vergeben können, können wir die Leute die um uns sind auch lieben. Und das schönste ist:
Vergebung hat eine extrem positive Wirkung auf uns selbst. Einfach Ausprobieren.:)

Vergebung vollendet unsere Nächstenliebe.

3 Tage vor seiner Liebestat, der Tat zur Vergebung unserer Sünden, spricht Jesus zu seinen Zuhörern, und mahnt hier zu eben solchen Liebestaten.
Er fordert uns auf: Überwind dich! Vergebe!
Lieb Gott! Lieb deinen Nächsten! Nicht den Nächstbesten, sondern den Nächsten!
Er sagt: Ich lieb dich! Ich hab mich für euch opfern lassen! Für dich! Ich will euch Vergebung schenken!
Ich hab euch doch vorgelebt was Nächstenliebe bedeutet! Dass Vergebung dich frei macht!
Und dann stehen wir hier, und haben oftmals damit unsere Schwierigkeiten. Wir haben unsere Schwierigkeen Gott auch in schwierigen Zeiten zu lieben, und unseren Nächsten zu lieben, und nicht nur den Nächstbesten.
Gerade durch Jesu Tod erfahren wir Liebe. Er hat sein Leben gegeben für uns um unsere Drecksachen zu vergeben.
Und durch Vergebung, dadurch dass wir unseren Mitmenschen vergeben, können wir unseren Nächsten lieben.
Ich lieb euch! Ich lieb dich Gott!
Amen.

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